Von Ostdeutschland nach Hollywood: Armin Müller-Stahl mit 90

Der Weg des berühmten Schauspielers vom Schulabbrecher der DDR zum Hollywood-Filmstar ist zweifellos einer der ungewöhnlichsten Karrierewege der Nachkriegszeit.

Armin Müller-Stahl wurde am 17. Dezember 1930 in Tilsit, damals Teil Ostpreußens, einem ehemaligen deutschen Territorium, das heute zu Russland gehört, geboren. Nachdem sein Vater während des Zweiten Weltkriegs gestorben war, zog seine Mutter, eine Ärztin, ihre fünf Kinder alleine auf.

Mueller-Stahl studierte zunächst Musikwissenschaft und Geigenspiel, gab jedoch nach seinem Abschluss die musikalischen Aktivitäten auf, da ihm das Leben eines Konzertviolinisten nicht gefiel. Er schrieb sich an einer Schauspielschule in Ostberlin ein, wurde aber Berichten zufolge wegen „mangelnden Talents“ entlassen.

Trotzdem verfolgte Müller-Stahl weiterhin die Schauspielerei und landete hier und da kleine Rollen. 1952 erhielt er sein erstes festes Engagement als Ensemblemitglied am Berliner Theater am Schiffbauerdamm. Bald darauf zog er in die Volksbühne, eines der renommiertesten Theater Ostberlins.

Mueller-Stahls Bekanntheit wuchs schnell. Er trat auf der Bühne, im Kino und in ostdeutschen Fernsehfilmen auf und wurde einer der beliebtesten und bestbezahltesten Schauspieler des Landes.

„Es gab nicht die gleiche Aufregung um Sterne wie im Westen“, sagte er später in Interviews. „Aber es gab Zeiten, in denen ich einen Wäschekorb voller Autogrammwünsche hatte.“

Berühmt in West- und Ostdeutschland
Mueller-Stahls Ruhm erreichte Westdeutschland auch durch Filme wie Jacob the Liar (1974) und Naked Among Wolves (1963). Beide Arbeiten beschäftigen sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands – ein Thema, das dem Schauspieler zeitlebens wichtig bleiben würde.

Auch Müller hatte keine Angst, die ostdeutsche Politik zu kritisieren. In den frühen 1970er Jahren spielte er einen Stasi-Agenten in der ostdeutschen Fernsehserie Das unsichtbare Visier – eine Art „sozialistischer Anti-James-Bond“ -, aber er verließ die Show, als sie zu politisch wurde.

1976 fügte er seine Unterschrift auch einer Resolution prominenter ostdeutscher Künstler hinzu, die gegen die Ausbürgerung des regimekritischen Musikers Wolf Biermann protestierten. Von da an kämpfte Müller-Stahl darum, eine Rolle in Ostdeutschland zu übernehmen, wo die kommunistische Regierung die Kulturindustrie streng kontrollierte.

1980 wanderten Müller-Stahl, seine Frau und sein Sohn Christian in den Westen aus. Ein Jahr später erhielt er die Hauptrolle in Rainer Werner Fassbinders Film Lola, nachdem er mit seiner früheren Arbeit die Aufmerksamkeit des berühmten westdeutschen Regisseurs auf sich gezogen hatte.

Der Film, der als deutscher Klassiker gilt, markiert den Beginn der zweiten Karriere des Schauspielers, in der er mit bekannten europäischen Regisseuren wie Andrzej Wajda, Bernhard Wicki, Axel Corti und Agnieszka Holland zusammenarbeiten sollte.

Hollywood Erfolg
Aber der Schauspieler brauchte bald neue Herausforderungen und reiste vor Ende des Jahrzehnts in die USA. Er gab sein Hollywood-Debüt in Music Box (1989) des etablierten Regisseurs Costas-Gravas über eine Todesschwadron der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Es war ein Zeichen intellektueller Entschlossenheit, da Müller-Stahl Englisch nicht beherrschte.

Seine internationale Anerkennung wuchs mit nachfolgenden Filmen, darunter Barry Levisons Avalaon (1990), in dem Müller-Stahl das Oberhaupt einer polnisch-jüdischen Einwandererfamilie in den USA spielte, und Jim Jarmuschs Night on Earth (1991), ein Indie-Film, der wurde ein Kultfavorit und zeigte den Schauspieler als New Yorker Taxifahrer aus Ostdeutschland.

Mueller-Stahl war Co-Autor des Drehbuchs für einen 103-jährigen Mann, der behauptet, Adolf Hitler zu sein, der von einem amerikanischen Historiker interviewt wird, der versucht herauszufinden, ob er der ist tatsächlicher Naziführer.

In den frühen 2000er Jahren trat er als berühmter deutscher Schriftsteller Thomas Mann im deutschen TV-Hit Die Manns – Ein Jahrhundertroman auf. Die Show wurde bei den International Emmy Awards 2003 als bester Film ausgezeichnet, und Mueller-Stahls Darstellung brachte ihm einen deutschen Grimme-Preis ein, Deutschlands höchsten Fernsehpreis.

Malen und Maing Musik bei 90
Obwohl er viele Jahre in Los Angeles gelebt hat, kann er derzeit nicht in die USA zurückkehren. Er hat sein Haus jedoch im nordwestdeutschen Bundesland Schleswig-Holstein behalten. Erst 2011 konnte er in seine Heimatstadt Tilsit zurückkehren, die heute Sovetsk heißt.
In den letzten Jahren hat Müller-Stahl Filmroll

en abgelehnt und sich stattdessen anderen Künsten gewidmet, nämlich der Malerei und seiner frühen Leidenschaft, der Musik. Er veröffentlichte 2011 eine CD mit seinen eigenen Songs. Es sind seine Gemälde und Zeichnungen, nicht seine Filme, die er für immer erwartet, sagte er scherzhaft DW in einem Interview von 2015.

 

„Wer nur funktioniert, verweigert sich die Abenteuer des Lebens“, sagte er – eine Lebensphilosophie t

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