Berlin eröffnet gebrauchte Kaufhäuser

Der Berliner Senat möchte gebrauchte Kleidung und Produkte zur Norm machen und nicht nur für Menschen in Not. Zu diesem Zweck ist die Eröffnung mehrerer gebrauchter Kaufhäuser geplant.

Der Berliner Senat hofft, Second-Hand-Einkäufe in den Mainstream zu bringen, indem er gebrauchte Artikel in einem schicken Einkaufserlebnis präsentiert.

Der Senat hat am Dienstag offiziell einen Bericht der Berliner Umweltsenatorin Regine Günther verabschiedet, in dem mehrere nachhaltige Initiativen für die deutsche Hauptstadt dargelegt wurden, darunter ein wiederverwendbares Kaffeetassenprogramm und gebrauchte Kaufhäuser.

Die Idee ist, die Öffentlichkeit zu ermutigen, nicht mehr zu denken, dass gebrauchte Gegenstände nur für bedürftige oder umweltbewusste Menschen bestimmt sind – und sie zur Norm zu machen.

„Wir wollen wirklich mit der Idee Mainstream werden, natürlich haben Sie Second-Hand-Läden, aber wir wollen dies auf einen größeren Maßstab bringen und es zu einem wirklich attraktiven Ort machen, an dem die Leute gerne hingehen“, sagte Dorothee Winden, stellvertretende Pressesprecherin des Senats Umweltabteilung.
Gebraucht und Reparaturen empfohlen

Der Berliner Senat sucht derzeit nach potenziellen Standorten in der Stadt für drei bis vier der sogenannten „Kaufhäuser der Zukunft“, um den Zugang zu maximieren, und sucht nach Organisationen, die diese betreiben. Zu den Geschäften gehören auch Reparaturwerkstätten, um das Wegwerfen zu verhindern Gegenstände, die noch verwendet werden könnten.

Ein erfolgreiches Second-Hand-Pop-up-Geschäft wurde im vergangenen Jahr getestet. Das Senatsministerium für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz forderte die Menschen auf, ihre nicht verwendeten Gegenstände zu spenden, und bot sogar an, Waren abzuholen.

„Jeder Haushalt in Berlin hat zwischen 1.000 und 20.000 Objekte, und 244 Objekte werden nicht verwendet, aber sie sind voll funktionsfähig“, sagte Winden. „Das zeigt, dass wir eine Menge Sachen in unseren Häusern haben, die wir nicht mehr brauchen – wir horten diese Sachen im Keller und jemand könnte sie gut gebrauchen.“

Eine Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2015 ergab außerdem, dass die Deutschen 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in ihren Schränken hatten, von denen 40% selten oder nie getragen werden.

Winden sagte, es gebe zwei Hauptoptionen für den Stil der Einkaufszentren: ein Kaufhaus wie Galeria Kaufhof oder Karstadt oder ein Einkaufszentrum.

Auf den Spuren Schwedens

Berlin ist nicht die erste Stadt, die versucht, den Kauf aus zweiter Hand zu normalisieren. Im August 2015 eröffnete Schweden das weltweit erste Second-Hand-Einkaufszentrum ReTuna Aterbruksgalleria, das 100 Kilometer westlich von Stockholm liegt.

Im Jahr 2018 erzielte ReTuna einen Umsatz von 11,7 Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) für recycelte Produkte.

ReTuna fördert nicht nur recycelte, reparierte und nachhaltige Gegenstände, sondern organisiert auch Veranstaltungen, Workshops und Vorträge, um Menschen über Nachhaltigkeit und die Reparatur ihrer Habseligkeiten aufzuklären. Dieser Ansatz wird von den gebrauchten Kaufhäusern Berlins übernommen.

Arianna Nicoletti, Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Green Fashion Tours in Berlin, einer Organisation, die Bildungsreisen zu nachhaltiger Mode anbietet, sagte, die Second-Hand-Kaufhäuser seien eine Gelegenheit für die Stadt Berlin, Verantwortung für das Verbraucherverhalten zu übernehmen.

Wohltätigkeitsorganisationen, die die Hauptlast tragen

Nicoletti sagte, dass der Weiterverkauf von gebrauchter Kleidung „vollständig in den Händen lokaler Wohltätigkeitsorganisationen wie der Berliner Stadtmission oder der Caritas“ geblieben sei, die nicht in der Lage waren, die Hunderte Tonnen Kleidung, die sie erhalten hatten, zu verarbeiten .

Laut Nicolette spenden die Deutschen jedes Jahr mehr als 1 Milliarde gebrauchte Kleidungsstücke, aber viel Modeabfall bleibt unsichtbar. Überschüssige Kleidung aus Filialisten wie Primark und H & M, die sich in einwandfreiem Zustand befindet, wird beispielsweise häufig nicht an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet.

Es wurden jedoch einige Kooperationen geschlossen, beispielsweise eine Partnerschaft zwischen der Berliner Stadtmission und dem japanischen Einzelhandelsgiganten Uniqlo. Ein paar Mal im Jahr erhält die Stadtmission eine Lieferung von nicht verkauften oder zurückgegebenen Kleidungsstücken mit kleinen Mängeln wie Löchern oder Flecken, die in ihrem Second-Hand-Laden verkauft werden sollen. „Aber es sollte immer mehr solcher Kooperationen geben“, sagte Nicoletti, „und ich sehe das nicht wirklich.“

Secondhand vs. nachhaltige Kleidung

Eine Gefahr beim Kauf von gebrauchter Kleidung besteht darin, dass der Großteil davon in Massenproduktion hergestellt wird, schnell und die Qualität oft schlecht ist, was die Lebensdauer des Kleidungsstücks verkürzen kann. Eine Antwort auf dieses Dilemma ist der Kauf nachhaltiger Kleidung – aber diese Marken haben oft einen hohen Preis.

Nicoletti sagte, dass junge Leute in ihren Modetouren oder Workshops oft fragen, wie sie solche Artikel mit einem bescheidenen Budget kaufen könnten, und ihre Antwort lautet, dass im Moment Secondhand die beste Lösung ist.

Sie bemerkte auch die Digitalisierung des Marktes über Online-Plattformen wie KleiderKreisel in Deutschland und Online-Shops, in denen Sie Kleidung mieten können, wodurch gebrauchte Mode weit verbreitet ist, auch wenn es kein physisches Geschäft in der Nähe gibt.

Auf der anderen Seite kann der Kauf eines hochwertigen, nachhaltigen Artikels dazu beitragen, die Beziehung einer Person zu Kleidung zu ändern.

„Wenn wir wirklich lernen wollen, wie man Kleidung liebt, wie man Kleidung am längsten in unseren Schränken aufbewahrt und sich um sie kümmert, besteht die einzige Möglichkeit, die wir haben, natürlich darin, gute Qualität zu kaufen“, sagte Nicoletti.

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